“5 Fragen an…” Frau Bohler vom Naturkindergarten Aulendorf: „Natur ist für mich Leben“

„5 Fragen an…“versetzt junge Menschen in Aulendorf in die Lage, „auf Augenhöhe“ mit Erwachsenen zu kommunizieren und spannende Themen aus ihrem direkten Umfeld zu erschließen. Jedes Interview wird Bestandteil des Weblogs und dokumentiert damit die Entwicklungen vor Ort in den Bereichen: Politik, Kultur, Wirtschaft und Soziales. Die zweiten „5 Fragen“ wurden von  Aileen Kopatschek an Maria Bohler gestellt. Frau Bohler leitet den  Naturkindergarten „Grashüpfer“ in Aulendorf. Warum dieser sich von einem Waldkindergarten unterscheidet und vieles mehr, hat sie Aileen Kopatschek am 08.03.2012 erzählt.

 

Was unterscheidet einen Naturkindergarten von einem „normalen“ Kindergarten?

Der Unterschied ist, dass wir noch mehr in der Natur sind, wie die Kinder aus dem Regelkindergarten, dass wir einen festen Platz im Wald haben und nicht nur die Räumlichkeiten von einem Trägerkindergarten und dass in unserem Konzept das Element „Natur“ einen größeren Stellenwert hat als in einem klassischen Kindergarten.

Unsere konzeptionelle Aufgabe ist es, den Kindern alles was in der Natur ist, Pflanzen und Tiere, im Laufe des Jahres bewusst zu machen und nahezubringen.

 

Wie kann man sich einen Tagesablauf im Naturkindergarten vorstellen?

Wir fangen um 7:15 Uhr an und treffen uns, jahreszeitabhängig, entweder hier in den festen Räumlichkeiten oder draußen an unserem festen Platz im Wald. Damit sind wir nicht gezwungen, draußen zu sein und uns so schnell wie möglich nach draußen zu begeben. Wenn es kalt ist, stürmt oder sehr stark regnet, sind wir länger in den Räumen.

Unser Ziel ist es jedoch, auch im Winter wenn es sehr kalt ist, spätestens um 10 Uhr draußen zu sein. Das hängt auch immer von unserem Angebot ab. Wenn wir z.B. eine Geburtstagsfeier haben sind wir hier in den Räumlichkeiten.

Welche Fähigkeiten erlernen Kinder, die einen Naturkindergarten besuchen?

Dies sind die gleichen Fähigkeiten wie bei einem Regelkindergarten: Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein.und damit die Fähigkeit, einfach in der Natur zu Recht zu kommen. Mit den Gegebenheiten, mit der Kälte und der Wärme.

Das man sich bei Kälte wärmer anzieht und entsprechend weniger trägt, wenn es warm ist. Es geht dabei um Verantwortungsübernahme für sich und Andere, gefördert durch das Kennenlernen der Natur. Dies können die Jahreszeiten sein oder auch der Nebel bei der Ankunft der Kinder und dessen Auflösung im Tagesverlauf. Oder das Verhalten der Tiere im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Wir haben hier selbst z.B. Ponies und Ziegen. Die Kinder wissen und lernen auch, dass sie keine Tiere mit nach Hause nehmen oder hierher mitbringen dürfen, auch wenn sie schön aussehen. Egal, ob es sich um Regenwürmer oder Marienkäfer handelt oder sogar um ein Tier, das verletzt ist. Wir versuchen immer, direkt an Ort und Stelle Erste Hilfe zu leisten.

Jedes Tier hat sein Umfeld und Zuhause. Die Botschaft dabei ist: Tiere, die im Wald leben, fühlen sich hier bei uns im Hof nicht wohl. Das sind Fähigkeiten, die wir den Kindern hier beibringen möchten. Wichtig ist auch, den Kindern die Verantwortung für die Tiere beizubringen. Sie lernen dadurch selbstständig und selbstbewusst zu sein und darüber hinaus auch den Umgang mit den Tieren.

Wie anerkannt sind Naturkindergarten bei den Eltern bzw. in der Öffentlichkeit?

Im September 2008 wurde dieser Kindergarten durch eine Elternintiative mit 13 Kindern gegründet.

Es ist der einzige Naturkindergarten im Bodenseeraum. Waldkindergärten gibt es sehr viele aber wir sind ein Naturkindergarten. Der Unterschied liegt in den uns zu Verfügung stehenden Räumlichkeiten und auch der Aspekt mit den Tieren ist ein Unterscheidungsmerkmal.

Inzwischen haben wir 32 Kinder, zusammen mit der Kleingruppe und viele Anmeldungen.

Wir sagen immer wieder, dass wir wie eine Großfamilie sind – Das kommt bei den Eltern sehr gut an. Aber es gibt auch Eltern, für die unser Konzept nicht so angebracht ist, weil sie sich nicht trauen, in dieses naturnahe Leben einzutreten. Bei ihnen muss alles steril und sauber sein und darf nicht unangenehm riechen, wie z.B. in einem Hühnerstall, in dem nicht täglich ausgemistet, aber täglich gefüttert wird.

Warum schicken nicht mehr Eltern ihre Kinder in einen Naturkindergarten?

Sehr viele Eltern schicken ihre Kinder in den Naturkindergarten, wir können gar nicht alle aufnehmen. Der Träger müsste nochmal eine Gruppe eröffnen, aber eine gewisse Grenze ist erreicht. Wir haben jetzt mit der Kleinkindgruppe erweitert. Irgendwann ist auch einfach viel zu viel los und das will der Träger auch nicht.

Der private Träger ist eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft mit einem Geschäftsführer, der selbst Gemeinderatsmitglied und Bauunternehmer ist.

Ich arbeite im Naturkindergarten, weil…

…ich vorher in einem Regelkindergarten gearbeitet habe und dort der Grundstein gelegt wurde, was die Natur angeht. Und weil ich selbst davon überzeugt und sehr naturverbunden bin.

Für mich bedeutet Natur…

…Leben. Wir können der Natur danken, dass wir überhaupt leben können, dass die Pflanzen und die Tiere da sind.

Kurz gesagt: Natur ist für mich Leben.

„Jugendarbeit in Aulendorf entwickelt sich positiv“

Mit der Vorstellung des abschließenden Projektberichtes „Aktive Kinder- Jugend- und Familienarbeit in Aulendorf“ wurde nun am 05.03.2012 öffentlich im Gemeinderat in Aulendorf „Bilanz“ gezogen.

Die Anwesenden, unter ihnen auch Besucher des Offenen Kinder- und Jugendtreffs, folgten den Ausführungen von Yauhen Lukashevich, der das Projekt seit Februar 2010 fachlich begleitet hat. „Welche Strukturen wurden für die Kinder- Jugend- und Familienarbeit geschaffen?“ „Was hält das entworfene Netzwerkmodell lebendig und fördert nachhaltig die Kommunikation?“ „Welche Maßnahmen sichern das bisher Erreichte ab?“.

Dies waren zentrale Fragestellungen seitens der Anwesenden, die im Laufe der Gemeinderatssitzung beantwortet wurden.

Wer selbst nicht dabei war, findet hier eine Zusammenfassung von Simone Harr.

 

„5 Fragen (mit Zusatzfrage) an…“ Susanne Rist vom offenen Frauenkreis des AKA

„5 Fragen an…“ versetzt junge Menschen in Aulendorf in die Lage, „auf Augenhöhe“ mit Erwachsenen zu kommunizieren und spannende Themen aus ihrem direkten Umfeld zu erschließen. Jedes Interview wird Bestandteil des Weblogs und dokumentiert damit die Entwicklungen vor Ort in den Bereichen: Politik, Kultur, Wirtschaft und Soziales. Die ersten 5 Fragen (mit Zusatzfrage) wurden von Sandrina Stehle an Susanne Rist gestellt. Frau Rist ist maßgeblich an der Gestaltung des Programms für den Tag der Frau am 08.03.2012 in der Aulendorfer Säulenhalle beteiligt.

 

Was kann man sich unter dem „Tag der Frau“ in Aulendorf vorstellen?

Wir vom offenen Frauenkreis des AKA veranstalten am Donnerstagnachmittag, ab 15:00 Uhr, ein Programm in der Säulenhalle, das bis in die Abendstunden geht. Da kann man kreativ sein, da kann man gemeinsam essen und musizieren. Es soll ein Zusammentreffen von Männern wie Frauen sein, von allen Aulendorfern die Lust haben, an diesem besonderen Tag den Frauen und der Bedeutung des 8 März zu gedenken.

 

Was verbinden Sie persönlich mit dem Tag der Frau?

Ich persönlich verbinde damit, dass so viele Frauen vor mir so Vieles auf die Beine gestellt haben, um die Rechte für Frauen zu stärken – Und dies immer noch tun. Nicht überall sind die Frauen so priviligiert wie in Deutschland. Da gab und gibt es schon viel zu tun, um die Frauen zu stärken. Und ich persönlich finde es ganz klasse, dass mutige Frauen vor über hundert Jahren angefangen haben, sich für Frauenrechte einzusetzen. Auch in der Gefahr, ihren Ruf zu verlieren, ihren Beruf, ihr Leben. Clara Zetkin, und Rosa Luxemburg sind Frauen, die man oft als Vorzeigefrauen des Feminismus erwähnt. Sie waren unglaublich mutig und haben gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Die Frauen durften ja nicht einmal wählen.

Es ist für mich einfach eine Verpflichtung, die Rechte, die diese Frauen für uns erkämpft haben, auch zu nutzen. Ich finde, man sollte als Frau als Mädchen, egal in welchem Alter, immer wieder schauen: Was kann ich alleine machen, was kann ich mit meinem Mann zusammen machen oder was mit meiner Familie? Was kann ich? Wie komme ich bei anderen an? Was habe ich für Möglichkeiten und Talente? Das sollte jede Frau und jedes Mädchen an sich erkennen.

 

Was können Aulendorfer Frauen/Mädchen von dem Tag lernen?

Also vielleicht gibt es da tatsächlich etwas Neues an dem Tag zu lernen. Wir haben ja einige Angebote von Patchwork über kreatives Schreiben, zum gemeinsamen Malen. Wir haben auch einen Infostand vom CJD dabei, der sich mit dem Projekt: Frauen integrieren-qualifizieren-aktivieren darstellen wird. Da kann man sich sicher auch einige Impulse abholen.

Wir sind selber gespannt, was wir an diesem Tag lernen dürfen.

 

Was sagen Männer zum Tag der Frau?

Ich glaube sie wissen gar nicht, dass es einen Tag der Frau gibt. Der Tag der Frau hat bei uns  in Deutschland relativ wenig Bedeutung gehabt. Es sollte eigentlich ein Jahr der Frau geben, ein Jahr des Mannes, ein Jahr des Menschen, ein Jahr der Erde. Eigentlich sollten wir uns so viel wert sein, dass wir uns an jedem Tag gefeiert fühlen. Ich denke, jeder Tag ist wichtig.

 

Welche 3 Begriffe fallen ihnen spontan zum Tag der Frau ein?

Mir fallen da spontan die Rechte für Frauen ein und die Verpflichtung als Frau, diese Rechte auch zu beanspruchen – Gerade in Bereichen wo man sagt: Warum darf ich da als Frau nicht genauso hin wie ein Mann?

Dann gibt es auch Problematiken in Deutschland wie die Ungleichbezahlung von Mann und Frau bei gleicher Leistung. Dann fällt mir noch die Frauenquote ein, die im Moment in der Diskussion ist und das man tatsächlich in den Führungsetagen von Großfirmen immer noch zu wenige Frauen findet. Vielleicht weil sich Frauen nicht trauen oder weil sie dann ihre Familie und den Kinderwunsch hinten anstellen müssen, um in der Firma eine Rolle zu spielen. Ich finde es schade, dass sich das noch nicht besser vereinbaren lässt. Mir fallen auch schöne Sachen ein, z.B. dass man den Tag der Frau in manchen Ländern wie Muttertag feiert.

 

Ist der Tag auch für junge Mädchen interessant oder eher etwas für ältere Frauen?

Also unser Programm für den Nachmittag ist wohl eher für die älteren Frauen gedacht. Am Donnerstagnachmittag sind ja auch die meisten Mädchen in der Schule. Aber ab 18:00 Uhr, wo wir gemeinsam essen und feiern werden, mit Liedern und Gedichten, lustigen Geschichten, Tanz und Vorführungen, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es Jung wie Alt Spaß machen wird.